Da es hier keine Deutsche Bahn gibt, ist die beliebteste Erklärung für Abwesenheit oder Verspätung neben einem kranken Kind oder einer Beerdigung der Regen. Als es heute früh geregnet hat, waren wir in der Morgenandacht, die eigentlich eine Pflichtveranstaltung für alle Dozenten und Studenten ist, zu viert. Da die beiden anderen Anwesenden einen Dienst hatten, waren wir sozusagen die einzigen Teilnehmer.
Wer jetzt denkt, die Südsudanesen seien alle „aus Zucker“, dem sei gesagt, dass es in Uganda auch nicht besser ist. Mein syrisch-stämmiger Friseur in Kampala bat um eine Verschiebung, als es zum vereinbarten Termin geregnet hat. In einem Hotel im nordugandischen Gulu mussten wir feststellen, dass es anders als versprochen um 7 Uhr noch kein Frühstück gab, weil die Köchin wegen des Regens nicht so früh kommen konnte.
Wirklich verstehen können wir das alles nicht, schließlich leben wir hier nicht in der Wüste. Zwar regnet es selbst in der Regenzeit nicht so oft und ausdauernd wie in einem durchschnittlichen Karlsruher Winter, doch immerhin häufig genug, dass sich die Anschaffung eines Regenschirms lohnen würde. Wenigstens gibt es selbst hier in Kajo-Keji, wo es sonst nicht viel zu kaufen gibt, Gummistiefel. Bezeichnenderweise haben wir die allerdings weder in einem Bekleidungs- noch in einem Schuhgeschäft (die es im Gegensatz zu Outdoor-Läden hier durchaus gibt) gefunden, sondern in einem Laden für Landwirtschaftsbedarf.
